Stell dir vor, du wachst in einem Leuchtturm auf einer windgepeitschten kleinen Insel auf, umgeben von der rohen Kraft der Nordsee, mit 667 Inseln, die sich bis zum Horizont erstrecken. Das ist Austevoll, ein echter Geheimtipp im norwegischen Vestland, der ein Leuchtturmerlebnis bietet, das du so nirgendwo sonst findest.
Austevoll ist eine Kommune und ein Archipel südlich von Bergen in Westnorwegen. Das Verwaltungszentrum ist das Dorf Storebø auf der Insel Huftarøy. Mit rund 5.283 Einwohnern insgesamt und etwa 1.588 Menschen in Storebø bietet dieser Ort die perfekte Balance zwischen guter Infrastruktur und wohltuender Abgeschiedenheit. Die Entfernung von Austevoll nach Oslo beträgt rund 307 Kilometer, doch es fühlt sich an wie eine ganz andere Welt fernab vom Stadtleben.
Auf einer kleinen, windumtosten Insel am Eingang des Korsfjords steht der Marstein Leuchtturm und weist Seefahrern seit fast 150 Jahren sicher den Weg nach Bergen und in den Hardangerfjord. Der Leuchtturm liegt auf der kleinen Insel Store Marstein, westlich von Stora Kalsøy, und markiert einen entscheidenden Navigationspunkt für Schiffe auf dem Weg zur größten Stadt Westnorwegens.
Die Geschichte von Marstein beginnt Anfang des 19. Jahrhunderts, als erstmals vorgeschlagen wurde, den Ort als Tagesmarke zu kennzeichnen. 1838 wurde ein Steinhaufen mit Kreuz errichtet. Als Dampfschiffe nach und nach Segelschiffe ersetzten und der Schiffsverkehr zunahm, reichte die Bergen Skipperforening 1868 einen offiziellen Antrag für den Bau eines richtigen Leuchtturms ein. Der Bau begann 1875, und am 1. Oktober 1877 wurde das Licht zum ersten Mal entzündet.
Der ursprüngliche Leuchtturm hatte die Form eines achteckigen Prismas. Während des Zweiten Weltkriegs wurden die Insel und der Leuchtturm von deutschen Truppen besetzt, die seine strategische Bedeutung als westlichsten Punkt rund um Bergen erkannten. Die Besatzung hinterließ deutliche Spuren, darunter Bombenschäden, die den ursprünglichen Turm so stark beschädigten, dass er schließlich abgerissen werden musste.
Der heutige Leuchtturm besteht aus einem 17 Meter hohen, quadratischen, weißen Mauerwerksturm mit rotem Dach sowie einem eingeschossigen Servicegebäude. Das Licht befindet sich auf 37,5 Metern über dem Meeresspiegel und ist aus etwa 11 Seemeilen, also rund 20 Kilometern, sichtbar.
Marstein liegt an einem der wetterexponiertesten Orte der norwegischen Küste. Die Leuchtturmwärter, die hier mit ihren Familien lebten, mussten besonders in den Wintermonaten völlig autark sein, da Stürme Versorgungsfahrten unmöglich machten. Die kleine Insel ist bekannt für extreme Wetterbedingungen, mit Wellen, die selbst an ruhigen Tagen unaufhörlich gegen die Ostseite der Insel schlagen.
Im Januar 2005, während des Sturms Inga, durchbrach eine gewaltige Welle die Schutzmauer und zerstörte das Wohnhaus des Leuchtturmwärters. Der Leuchtturm wurde 1987 automatisiert und ist seit 2002 unbemannt. Nach den Sturmschäden kaufte die Gemeinde Austevoll den Leuchtturm im Jahr 2005. Nach der Restaurierung wurde das ehemalige Wohnhaus im Hochsommer 2010 für Besucher geöffnet.
Der Name Marstein leitet sich vermutlich von markstein ab, was Grenzstein bedeutet. Ein passender Name für dieses Wahrzeichen, das die Grenze zwischen offenem Ozean und Fjord markiert.
Der Hafen von Bekkjarvik wurde bereits dreimal zum besten Hafen Norwegens gekürt und ist ein Reiseziel für sich. Das historische Fischerdorf begeistert mit schönen alten Gebäuden und Kais. Der Gästehafen bietet geschützte Liegeplätze für Bootsfahrer. Der Park in Bekkjarvik mit Blumenbeeten, Teichen, Rasenflächen und gut ausgebauten Wegen lädt zu einem entspannten Nachmittag ein.
Der Flughafen Bergen Flesland ist der nächstgelegene größere Flughafen und macht Austevoll auch für internationale Reisende aus den USA, Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Belgien, Irland, Australien und vielen weiteren Ländern gut erreichbar. Vom Stadtzentrum Bergen aus hast du folgende Möglichkeiten:
Brücken und gut ausgebaute Straßen verbinden die Hauptinseln. Da die größten Inseln durch beeindruckende Brücken miteinander verbunden sind, ist Austevoll mittlerweile auch ein ideales Gebiet zum Radfahren.
Austevoll kann das ganze Jahr über besucht werden, wobei Frühling, Sommer und Herbst am besten für Aktivitäten im Freien geeignet sind. Jede Jahreszeit hat ihren eigenen Reiz:
Die Landschaft ist sanft hügelig, mit dem höchsten Punkt Loddo auf 243,5 Metern. Mehrere Wanderwege führen hinauf, wo dich ein Aussichtsturm und die Tageshütte Adlesi erwarten. Entlang der Küste streifen wilde Schafe umher und verleihen dieser Seefahrergemeinde ihren besonderen Charme.
Norwegen war eines der ersten Länder weltweit, das 1997 einen nationalen Schutzplan für Leuchttürme einführte. Zwischen 1656 und 1932 wurden entlang der Küste 209 Leuchttürme gebaut. Diese Bauwerke sind ein wichtiger Teil der nationalen Identität, eng verbunden mit der Geschichte der Seefahrt. Heute bieten rund 60 Leuchttürme entlang der norwegischen Küste Übernachtungsmöglichkeiten.
Die norwegische Küste ist inklusive aller Inseln und Buchten über 100.915 Kilometer lang. Leuchttürme wie Marstein spielten eine entscheidende Rolle dabei, Schiffe sicher durch gefährliche Gewässer zu lotsen und Generationen von Seeleuten zu schützen. Ein Aufenthalt in einem Leuchtturm in Austevoll verbindet dich direkt mit diesem stolzen maritimen Erbe.
Buche jetzt deinen Leuchtturm und erlebe die Seele Westnorwegens, wo die gewaltige Kraft des Meeres auf Geschichte trifft und Erinnerungen entstehen, die ein Leben lang bleiben.